An einem Samstag, bei Morgengrauen verließen wir unser Hostel und gingen Richtung Bahnhof Mendoza, um von dort ein Bus nach Valparaiso in Chile zu nehmen. In Mendoza verbrachten wir vier Tage, wo wir uns vom kalten Patagonien in der warmen Sonne erholten. Der Weg von Mendoza in Argentinien nach Santiago de Chile und weiter nach Valparaiso ist einer der möglichen und gleichzeitig auch meist gepflegten und besuchten Grenzübergänge zwischen den beiden Ländern. Alle Grenzübergänge führen durch die Hohen Anden. Aufgrund der herrschenden harten Wetterbedingungen ist es eher selten, dass alle Übergänge gleichzeitig offen und befahrbar sind. Auch die meist befahrene Straße von Mendoza nach Santiago de Chile war zwei Tage lang gesperrt (Schneeanfälle in den Hohen Anden) und so mussten auch wir auf das günstigere Wetter in den Anden warten.
Am Tag davor versuchten wir Richtung Chile zu trampen, jedoch nach langem Warten ohne Erfolg entschieden wir uns doch einen Bus zu nehmen. In den Bus eingestiegen, bekamen wir warmen Kaffee und stundenlang bewunderten wir atemberaubende Aussichten von links und rechts. Wir entfernten uns von der Stadt und Zivilisation Richtung immer höheren und steilen Anden. Nach paar hundert Kilometer wurden die vorher rötlich gefärbten Felsen langsam mit Schnee bedeckt, es wurde immer kälter, draußen konnte man Skiläufer sehen.
Nach ungefähr 4 Stunden Fahrt wurden wir aufgefordert unsere Dokumente mitzunehmen und auszusteigen. Ein kräftiger Hauch der Kälte und starker Wind begrüßten uns draußen. Wir betraten ein Gebäude und stellten uns in einer Reihe wartenden Menschen auf. Erstmal mussten wir unsere Pässe den argentinischen Grenzbeamten vorzeigen und dann eine andere Schlange stehen, um chilenischen Stempel im Pass zu bekommen. Es dauerte ziemlich lange, die Kälte plagte und wir freuten uns schon darauf wieder in den warmen Bus einzusteigen und unsere Reise fortzusetzen.
Der richtige Spaß sollte aber erst beginnen …
Nachdem die Pässe und andere Formalitäten erledigt wurden, ging es zur Gepäckkontrolle aller Passagiere. Erstaunlich sah ich wie unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum des Busses rausgeholt und auf die Fließband geladen wurden. Ein extra dafür geschulter Hund suchte nach ….. na ja, Lebensmitteln, vor allem Äpfeln, Orangen und Käse. Die Einfuhr von jeglichen Lebensmitteln nach Chile ist streng verboten und wird mit hohen Strafen bestraft. Alle wurden gründlich durchgecheckt, auch in die Hosen - und Jackentaschen wurde reingeschaut.
Zwei kleine Äpfel, die wir auf die 8 - Stunden dauerte Reise mitgenommen haben, machten uns dann zu Äpfelschmugglern…. Eine Stunde lang dauerten die bürokratischen Formalitäten. Unzählige Papiere mussten ausgefüllt werden, bis die zwei Äpfel endlich mal beschlagnahmen und vernichtet wurden. Einen kurzen Augenblick haben wir sogar überlegt, nach Argentinien zurückzukommen. Unser schneller Meinungsaustausch - zurück oder nicht – hat natürlich in deutscher Sprache stattgefunden. Dabei hat sich herausgestellt, dass die oberste Chefin, die zuletzt zu den „Äpfelschmugglern“ gerufen wurde, perfekt Deutsch verstand und sprach. Frau Doktor in der Tiermedizin (den Doktortitel hat sie in Deutschland erworben) hat uns ausführlich die Gründe für das Verbot der Äpfeleinfuhr geklärt. Angeblich gibt es in Argentinien und anderen benachbarten Ländern eine Obstfliege, die es in Chile nicht gibt. Daher sind auch die chilenischen Äpfel hoch bedroht. Auf meine Frage, warum es in Argentinien die Fliege gibt und in Chile nicht, dazwischen liegen doch die Hohen Anden, antwortete die Frau: „Wir arbeiten, andere nicht.“
Mit ein wenig gedämpfter Laune und schlechtem Bauchgefühl fuhren wir weiter.
Chile, 7. Juni 2008